Was verdiene ich als Landrat im Vergleich zu anderen Berufsgruppen?

Sind Landräte im Vergleich zu gut bezahlt?

Es ist natürlich immer schwierig, verschiedene Berufe miteinander zu vergleichen. Dennoch versuche ich als gläserner Landrat aufzuzeigen, wie meine Besoldung im Vergleich zu anderen Berufsgruppen zu bewerten ist.

Mit 7.943,63 Euro brutto im Monat (Stand: 01. August 2012) verdiene als Landrat alles andere als schlecht. Die Besoldung wird mit 2.897,08 Euro pro Monat besteuert (Stand: 01. August 2012). Zu dieser Brutto-Besoldung kommt eine monatliche Dienstaufwandsentschädigung von 1086 Euro (siehe gesonderte Rubrik "Dienstaufwandentschädigung") hinzu.

Nach Abzug der monatlichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (187,39 Euro; Stand: 01. April 2012), habe ich pro Monat de facto 5.442,11 Euro netto (Stand: 01. April 2012) zur Verfügung. Aus diesem Betrag muss ich allerdings auch sämtliche Amtsaufwendungen bestreiten, da die bereitgestellte Dienstaufwandspauschale hierin schon eingerechnet ist. Abzuziehen sind auch noch der für Mandatsträger verpflichtend festgelegte SPD-Mitgliedsbeitrag (150 Euro) und der Gewerkschaftsbeitrag (ein Prozent des regelmäßigen Brutto-Lohns).

Für diesen Betrag arbeite ich in der Regel mehr als 80 Stunden in der Woche und habe nur sehr selten freie Wochenenden oder Urlaub. Errechnet man hieraus einen fiktiven Stundenlohn, dann liegt dieser aber zweifellos immer noch über dem vieler Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer. Mancher mag die Besoldung kommunaler Wahlbeamter vielleicht trotzdem als zu hoch empfinden, doch muss der Gesetzgeber bei der Festsetzung entsprechender Politikerbezahlungen immer im Auge haben, dass es auch gelingen muss, wirklich geeignete Bewerber für derartige Ämter zu finden. Und gerade für gut verdienende Selbstständige und viele andere fachlich hervorragend geeignete gesellschaftliche Leistungsträger ist es schon bei derzeitiger Besoldungshöhe nicht sehr attraktiv in die Politik zu gehen, weil Sie sich dadurch einkommensmäßig verschlechtern würden. Man darf also nicht über das vermeintliche Fehlen einer politischen "Leistungselite" klagen, solange man nicht bereit ist, diese auch entsprechend zu bezahlen.

Auch die mittlere Ebene bei Unternehmen wie BMW oder Siemens verdient deutlich mehr als ein kommunaler Wahlbeamter. Gemessen an dem Einkommen vergleichbarer Tätigkeiten, den mit dem Amt verbundenen Arbeitszeiten und sonstigen Belastungen, ist ein Landrat  also sicher nicht überbezahlt.

Die Ehrlichkeit gebietet es aber auch, hinzufügen: Zwar sind politische Ämter im Vergleich zur freien Wirtschaft schlechter bezahlt, doch haben kommunale Wahlbeamte – genauso wie Abgeordnete - bereits nach wenigen Jahren Anspruch auf eine vergleichsweise kommode Altersversorgung (siehe gesonderte Rubrik "Altersversorgung"). Zusammenfassend lässt sich also auf den Punkt bringen: "Der Rock des öffentlichen Dienstes ist eng, aber warm!" Diesen Umstand verschweigen manche Politiker bei Einkommensdebatten nur zu gerne.

Einkommensvergleich:

Nachfolgende Tabelle gibt einen Einkommensvergleich ausgewählter Berufsgruppen in Deutschland. Alle Angaben sind brutto, also noch zu versteuern. In der mittleren Zeile findet sich das nominale Monatsgehalt, wie es bei Arbeitnehmern/-innen und Beamten/-innen auf der Gehaltsabrechnung steht. Die Spalte 3 zeigt das Monatsgehalt inklusive aller Zulagen und Zusatzleistungen.

Tätigkeit

Brutto-Monatsgehalt
(nominal)

Brutto-Monatsgehalt
(real)

Angestellter BMW Metall-Tarif Gruppe VII 35 Stunden/Woche (2009)

bis 4.745 Euro plus Weihnachts- und Urlaubsgeld und ggf. Leistungszulage

bis 6.061 Euro

Landrat des Landkreises Regen

7.943,63 Euro plus Jahressonderzahlung

8.360,54 Euro* 

Bundestagsabgeordnete/-r (2009)

7.668 Euro 12 Zahlungen, kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld

7.668 Euro

Bundesrichter/-in Besoldungsgruppe R 6 / West (2008)

7.481 Euro plus Weihnachtsgeld und Gerichtszulage

8.416 Euro

Geschäftsführer/in Mittelständisches Unternehmen bis 500.000 Euro Jahresumsatz(2009, durchschnittlich)

8.000 Euro

8.000 Euro

Facharzt/Fachärztin in Bayern (2008, durchschnittliches zu versteuerndes Jahreseinkomen von 140.000 Euro)

11.600 Euro

11.600 Euro

Geschäftsführer/in Mittelständisches Unternehmen bis 7,5 Mio. Euro Jahresumsatz (2009, durchschnittlich)

15.916 Euro

15.916 Euro

Vorstandsmitglied bei BMW (2008, durchschnittlich)

120.000 Euro

120.000 Euro

* der Betrag ist eine Schätzung, da die Jahressonderzahlung sich nach dem Gehalt richtet und ich in zwei Besoldungsgruppen war. Sie müsste nach meinen Berechnungen bei rund 5003 Euro im Dezember 2012 liegen.

Der Korrektheit halber sei darauf hingewiesen, dass ein Vergleich von Brutto-Gehältern zwischen Beamten und anderen Arbeitnehmern keinen völlig korrekten Vergleich der jeweiligen Einkommenssituationen ermöglicht. Da Beamte keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlen, sind diese diese Beiträge auch nicht abzugsfähig. Die Folge ist eine faktisch höhrere Steuerbelastung. Beim reien Verleich von Nettogehältern verschiedener Berufsgruppen ergibt sich ein leicht verzerrtes Bild.