Landrat Michael Adam bei einem Spaziergang am schwarzen Regen in Regen. Foto: Langer/Landkreis Regen
Landrat Michael Adam bei einem Spaziergang am schwarzen Regen in Regen. Foto: Langer/Landkreis Regen

Persönliche Erklärung des Landrats

In den vergangenen sechs Wochen befand ich mich nicht im Dienst, sondern auf Kur im Schwarzwald.

Diese Woche war ich zu einer sogenannten „klinikfreien Belastungserprobung“ zu Hause in Bodenmais. In den kommenden 14 Tagen werde ich dann die Kur im Schwarzwald abschließen. Meine Vertretung im Landratsamt Regen übernehmen meine Stellvertreter Willi Killinger, Erich Muhr und Helmut Plenk. Hierfür danke ich ihnen sehr herzlich!

Als Landrat sind Transparenz und Offenheit in der Amtsführung für mich stets von enormer Wichtigkeit. In Hinblick auf den persönlichen Gesundheitszustand sehe ich zwar einerseits eine gewisse Grenze der Transparenz und der Offenheit erreicht. Denn auch ein Landrat hat hinsichtlich seiner Gesundheit ein gewisses Recht auf Privatsphäre gegenüber der Öffentlichkeit. Andererseits gibt es bezüglich der Hintergründe meines Kurklinikaufenthalts auch nichts zu verheimlichen. Und nachdem dieser länger andauert, als ursprünglich geplant, was in der Bevölkerung zu Fragen führen kann, möchte ich Ihnen gerne die Hintergründe erläutern:

Im Frühling dieses Jahres wurde bei mir eine erbliche Neigung zu einer Diabeteserkrankung des Typs 2 festgestellt. Aufgrund eines starken Übergewichts besteht ohne Behandlung in naher Zukunft also die Gefahr ernsthafter gesundheitlicher Folgeerscheinungen. Daher wurde mir ärztlicherseits dringend eine Reduzierung meines Gewichts nahegelegt. Dies erforderte eine komplette Umstellung meiner Lebensgewohnheiten. Völlig neu für mich war zudem, dass psychosoziale Faktoren bei meiner Erkrankung eine erhebliche Bedeutung haben, die in der Kurklinik nachhaltig behandelt werden.

Das Leben als Kommunalpolitiker verlangt dem Körper viel ab: Stress, kaum freie Abende oder Wochenenden, wenig Urlaub, wenig Schlaf. Erschwerend hinzu kamen bei mir in der Vergangenheit schlechte und unregelmäßige Ernährung, Medikamente, Nikotin und Alkohol. Für Ausgleich durch Sport oder Entspannungsübungen sorgte ich nicht. Dies alles hatte seine Spuren bei mir hinterlassen. Deshalb habe ich auf der Kur meine Ernährung umgestellt und wieder begonnen, regelmäßig Sport zu treiben. Ich habe diverse Entspannungstechniken gelernt und verinnerlicht. Ferner habe ich mit dem Tabakkonsum aufgehört.

Ein Punkt der mich persönlich sehr stark überrascht hat betraf das Thema Alkoholkonsum: Denn es stellten sich in der Klinik, in der Alkoholabstinenz generell für alle Patienten vorgeschrieben ist, bei mir bereits nach wenigen Tagen gewisse Symptome ein, die mir zeigten, wie sehr ich mich psychisch bereits an Alkohol gewöhnt hatte. Nachdem ich zu Hause zuvor zwar täglich Alkohol konsumiert habe, allerdings in einem Maße, das ich für sozialadäquat hielt, hat mich dies durchaus erschreckt. Die Konsequenz daraus ist für mich, dass ich in Zukunft überhaupt keinen Alkohol mehr trinken werde. Ich bitte alle Mitbürgerinnen und Mitbürger dies zu respektieren.

Darüber hinaus habe ich erst während meiner Kur im Schwarzwald so richtig realisiert, wie sehr ich in den letzten Jahren Gefühle und Bedürfnisse verdrängt hatte. Hier wurde mir vor allem bewusst, in welchem unglaublichen Tempo mein Leben in den letzten Jahren verlief: Studium, Wahl zum Bürgermeister mit 23 Jahren, Wahl zum Landrat mit 26 Jahren, Wahl in den Bezirkstag. Ich wollte und musste mich in einem unglaublichen Tempo mental weiterentwickeln. Für eine emotionale Reifung blieb jedoch kaum Raum Zeit. Dies konnte und wollte ich mir sehr lange Zeit selbst nicht eingestehen.

Der Kuraufenthalt im Schwarzwald war und ist daher vor allem auch eine hervorragende Gelegenheit, um meine Gedanken neu zu ordnen und neue Sichtweisen zu finden. Ich hatte bzw. habe erstmals richtig Zeit, die vielfältigen Erfahrungen der letzten Jahre – Höhen und Tiefen – aufzuarbeiten. Ich konnte dabei Verdrängtes ans Licht holen und meine Arbeit und mein Tun der letzten Jahre auch mit etwas Distanz kritisch betrachten. Vor allem aber habe ich für mich eine höhere emotionale Stabilität erreicht.

Insbesondere die Tatsache, dass ich phasenweise zu viel Alkohol konsumiert habe, möchte ich nun öffentlich machen. Denn ich habe festgestellt, wie schmal der Grat zwischen der sogenannten „täglichen Akademikerdosis Alkohol am Abend“ und einer Abhängigkeit ist. Auch habe ich in der Klinik die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Menschen aufgrund hoher beruflicher Leistungserwartungen nicht nur körperlich und psychisch krank werden, sondern oft auch unbemerkt in Abhängigkeiten hineinrutschen.

Auch wenn meine Behandlung noch nicht ganz abgeschlossen ist, kann ich bereits jetzt sagen, dass mich der Klinikaufenthalt nicht nur hinsichtlich der Diabetes-Erkrankung, sondern auch in meiner menschlichen Entwicklung ein großes Stück vorangebracht hat. Ich freue mich bereits jetzt darauf, gestärkt auch künftig mit vollem Einsatz als Landrat für eine positive Entwicklung des Landkreises Regen zu arbeiten. Am 4. Oktober werde ich voraussichtlich den Dienst wieder antreten.

 

Michael Adam

 

 

 

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